Biwakplatz am Rinnensee
Als am Freitag abend das Paket mit unserem neuen Zelt doch noch ankam, war eigentlich klar was wir dieses Wochenende tun werden. Dank des hervorragenden Herbstwetters stand einer Biwaknacht in den Bergen nichts mehr im Wege. So fuhren wir am Vormittag, nachdem wir uns noch eine Zeltunterlage und Essen besorgt hatten, ins Oberbergtal. Wir hatten eigentlich geglaubt, dass die Straße zur Oberissalm ab Seduk wegen Steinschlages gesperrt ist. Aber als wir einen Anreiner fragten, meinte er dass man die Straße schon befahren kann, aber auf eigenes Risiko. Wir überlegten nicht lange, parkten bei der Oberissalm und sparten uns somit 1 1/2 Stunden. Wir schnallten uns unsere Rücksäcke um und gingen los. Schon nach wenigen Metern merkt man, dass man halt doch einiges mehr am Buckel hat als bei einer Tagestour und wir mussten das Tempo dem Gewicht der Rucksäcke anpassen.

Nach einer Stunde erreichen wir die Franz Senn Hütte und schlagen den Steig Richtung Rinnensee ein. Wir gehen zuerst die Grashänge hinauf und kommen schließlich zu einer Geländekante ab wo man die Rinnenspitze in ihrer vollen Pracht sieht. Da wir uns ja einiges an Aufstiegszeit sparen konnten, wollten wir auch noch heute auf den Gipfel. Wo sich der Weg zum Rinnensee gabelt, lassen wir einen Großteil unseres Gepäckes zurück und gehen nur mehr mit einem Rucksack weiter. Der Weg wir hier sehr steil und geht dann beim Gipfelgrat in seilgesicherte Passagen über. Durch den Schnee, der sich auf der Nordseite gehalten hat sind vereinzelte Teile des Steiges vereist. Man musste also recht vorsichtig gehen um nicht auszurutschen. Erst so gegen 15.00 Uhr stehen wir am Gipfel. Die Aussicht war heute noch beeindruckender als beim letzten Mal. Durch den frischen Schnnee war der Lüsenerferner blütenweiss. Wir jausen ein wenig und machen uns als letzte auf den Rückweg. An der Weggabelungen nehmen wir wieder das restliche Gepäck auf und gehen eine halbe Stunde zum südostlichen Ufer des Rinnensees, wo es einige gute Stellen zum zelten gibt. Sonst ist fast der ganze See von Steinbrocken in jeder Größe umgeben. Ein Teil des Sees, dort wo auch unter dem Tag wenig Sonne zukommt, ist bereits unter einer Eisschicht versteckt. Die angezuckerten Berge der Umgebung spiegeln sich im kalten Bergsee. Bald wird die Sonne untergehen und wir bauen vorher noch das Zelt auf und kochen uns gleich einmal eine chinesische Gemüsesuppe, aus dem Päckchen natürlich. Es wird, als die Sonne hinter dem Bergrücken verschwinden, zunehmend kälter, wobei es für die Höhe (ca. 2600 m) und für die Jahreszeit eigentlich viel zu warm ist. Trotzdem ziehen wir uns die Daunenjacken an und bereiten unser Hauptmahlzeit vor, Nudeln mit Käsesauce.

Die Abendstille wird dann durch einen Christopherus-Hubschrauber unterbrochen, der gerade unter uns dem Tal entlag Richtung Alpeinerferner fliegt. Er verschwindet kurz und taucht dann immer wieder auf. Er scheint jemanden zu suchen. Als er nach einer Stunde immer noch nicht weg ist, fangen wir an zu grübeln: Der wir wohl nicht uns suchen? Hat vielleicht jemand einen Notruf gesetzt, weil wir nicht wieder vom Berg herunter gekommen sind? Die Hütten sind ja schon all zu. Wir konnten uns zwar nicht vorstellen das man uns suchte, aber zur Sicherheit habe ich den Notruf angerufen, der uns dann gesagt hat, dass anscheinend ein Bergsteiger am Alpeinerferne gesucht wird.
Nach einiger Zeit dürfte dieser auch gefunden worden sein, denn der Hubschrauber war dann nicht mehr zu hören. Wie wir später erfuhren ist ein Bergsteiger einer 7-köpfigen Gruppe auf dem Rückweg von der Ruderhofspitze auf dem eisigen Steig abgerutscht und abgestürzt.

Bereits im Dunkeln zünden wir Teelichter an und lassen den Tag bei einer Tasse Tee nocheinmal revue passieren. So gegen 8 Uhr kriechen wir in die Schlafsäcke und ich war der erste von uns beiden, der ins Reich der Träume übergegangen ist.

Am nächsten Morgen genießen wir den Sonnenaufgang, während wir gerade frühstücken. Es wird bald wärmer und wir packen unsere sieben Sachen. Wir marschieren wieder den Weg zurück und gehen dann aber nicht mehr zur Franz Senn Hütte sondern Richtung Großes Horntaler Joch. Da der Weg aber recht steil ist und wir vom Vortag schon etwas müde gewesen sind paussieren wir irgendwo auf einer Anhöhe. Wir kochen uns Kaffee und legen uns etwas in die Herbstsonne. Am frühen Nachmittag treten wir den Rückweg zur Oberissalm und zu unserem Auto an. Nach einem kleinen Umweg (Die Karte hatte einen Weg eingezeichent, den wir aber nicht finden konnten) ereichen wir müde unser Auto. Es war ein feines Bergwochenende und das neue Zelt hat den Praxistest ohne sich irgendwelche Blöße zu geben bestanden.

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